[Radtour Nord1]

Dorstener Geschichte - Station 45: St. Matthäus

Die 45. Geschichtstafel informiert auf Initiative der Kirchengemeinde über die Entstehung und Entwicklung der Pfarrei in Wulfen.

„Geschichte erforschen, für die Zukunft lernen“

„Mit den Dorstener Geschichtsstationen heben wir uns positiv ab. Wir wollen in Dorsten unsere Geschichte erforschen, um für die Zukunft zu lernen“, sagte Bürgermeister Tobias Stockhoff. „Gerade diese Geschichtsstation hat eine besondere Bedeutung.“

Die große Tafel am Südtor der Kirche zeigt die mehr als 800-jährige Geschichte der Pfarrei St. Matthäus auf und erinnert auch an den Tag der Zerstörung Wulfens und Dorstens. „Dieser 22. März 1945 ist wie die Schrecken des Nationalsozialismus‘ eine Narbe als Mahnung im Kirchturm wie in der Dorstener Geschichte“, so Stockhoff, der sich auch freute, dass die Station als Gemeinschaftsproduktion des Vereins für Orts- und Heimatkunde, des Heimatvereins Wulfen, der Lions Dorsten-Hanse und der Pfarrei entstanden ist. „Ein gutes Zeichen, dass wir gemeinsam unsere Geschichte aufarbeiten und präsentieren wollen.“

Auf der Tafel ist nun zu lesen, dass die „Herren von Wulfhem“ bereits im Jahre 1173 eine erste steinerne Kirche auf dem heutigen Standort errichteten. Die Pfarrei wurde 1280 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Zwischen 1419 und 1825 wurde die Kirche drei Mal erweitert.



Friedrich I. Barbarossa ist Kaiser des römisch-deutschen Reiches (1155-1190).

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um 1173

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Die Herren des Haupthofs Wulfhem sind unter dem Namen „von Wulfheim” Drosten der Bischöfe Ludwig und Hermann Il. von Münster. Als solche errichten sie eine steinerne Eigenkirche auf ihrem bischöflichen Dienstmannslehen. Die heutigen Straßennamen „Burghof“ und „Burgring“ erinnern an den damaligen Standort des Hofes.

Romanischer Taufstein aus dem 13. Jh.

1280

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In einer Urkunde des 1230 gegründeten und 1243 nach Coesfeld verlegten Zisterzienserinnenklosters Marienborn (Hohe Mark) wird Wulfen erstmals als selbstständige Pfarrei bezeichnet.

Anne Selbdritt, um 1450

um 1419

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Erster Erweiterungsbau: Das Kirchenschiff wird nach Westen um zwei Joche und einen Turm verlängert.

1533

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Eine Urkunde berichtet vom Altar der „hilgen Moder sunte Annen in de Kerke to Wulphen”. Die spätgotische Schnitzarbeit ist in der Substanz bis heute erhalten.

1554 - 1720

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Unter den Herren von Westerholt auf Haus Lembeck werden kalvinisierende Pfarrer in Wulfen eingesetzt. Die Rekatholisierung erfolgt unter Pfarrer Woldering (1672-1720). Seit der Mitte des 17. Jh. sind die Kirchenbücher erhalten. Um 1700 leben in Wulfen ca. 120 Familien mit rd. 700 Einwohnern.

König Friedrich Il. von Preußen marschiert in Böhmen ein und beginnt den Zweiten Schlesischen Krieg. gegen das Österreich Kaiserin Maria Theresias.

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1744 - 1775

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Zweiter Erweiterungsbau: Die Kirche wird nach Osten verlängert und erhält einen neuen Chorraum. Der Turm wird 1775 um 4,50 Meter erhöht und mit einer barocken Haube versehen.

Die katholische Kirche erlaubt die Verbreitung des heliozentrischen Weltbildes.

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1822 - 1825

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Dritter Erweiterungsbau: Das gotische Langhaus muss wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Es wird ein neues, 5 Meter breiteres Kirchenschiff mit einer steinernen, bis heute an der Südseite des Chorraums erhaltenen Sonnenuhr errichtet.

1853 - 1858

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Bei einem großen Feuer brennt der Kirchturm vollständig aus. Elf Häuser in unmittelbarer Nähe werden zerstört, Schiff und Chor der Kirche leicht beschädigt. Der Kirchturm wird in seiner heutigen neuromanischen Form wieder errichtet.

Bombardierung am 22. März 1945

1945

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Bei der Bombardierung am 22. März werden große Teile des Dorfkerns zerstört. 23 Menschen verlieren ihr Leben. Drei Einschläge vernichten das Langhaus der Kirche. Turm und Chor bleiben mit leichteren Schäden erhalten.

Am 17. Juni kommt es zum Volksaufstand in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

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1953

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Die nach den Plänen des Münsteraner Architekten Prof. Bernd Köster an der Nordseite des zerstörten Langhauses wiederaufgebaute Pfarrkirche wird durch Weihbischof Heinrich Baaken im Juli feierlich eingeweiht.

1966 - 1987

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Nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils werden unter Pfarrer Karl Pilatus und nach Plänen bzw. mit Werken des Bildhauers Heinrich Gerhard Bücker Altarraum, Südportal, Taufkapelle und Fenster der Kirche neu gestaltet.

2014

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Der Rückgang des kirchlichen Lebens veranlasst das Bistum Münster zur Fusion von St. Matthäus in Alt-Wulfen mit den Ausgründungen Herz Jesu in Deuten und St. Barbara in Barkenberg. Die Kirche wird am 24. August zur Pfarrkirche der neuen Pfarrei St. Matthäus.

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Daten und Fakten

Eröffnung - 26. September 2020

Adresse - Matthäusplatz am Nebeneingang der Matthäuskirche

Geodaten - 51°43'18 7°00'52.85



Feierliche Eröffnung am 26. September 2020

Gottesdienst zur Eröffnung

Die Einweihung der Geschichtsstation fand aufgrund der Corona-Pandemie nur mit wenigen Gästen statt. Eine ursprünglich im März geplante größere Feier musste deswegen ausfallen.

Festrede des Bürgermeisters

Gleichzeitig mit der Eröffnung der Geschichtsstation fand auch das Pfarrfest der Gemeinde St. Matthäus statt, das in der abendlichen Messe gefeiert wurde.

Jung und Alt enthüllten die Tafel.

Die jüngste und der älteste anwesende Kirchgänger durften dann die Geschichtsstation offiziell enthüllen.

Die neue Geschichtstafel

Die 16 Woche alte Aurelia Hampe mit Mutter Mareike und Engelbert Pelz (85) lösten gemeinsam die Schleife und nahmen das Tuch ab.

Knochenfunde

Alter Friedhof oder Verbrechen?

Im Zuge der Erdarbeiten für das Fundament der neuen Geschichtsstation wurden menschliche Skelettteile entdeckt. Die alarmierte Kriminalpolizei untersuchte die Fundstelle genau, die Beamten nahmen die Knochenteile zwecks Ermittlung mit. Die Vorarbeiten für die Geschichtsstation konnten nach wenigen Tagen weitergehen.

Ältere Wulfener können sich noch erinnern, dass es an dieser Stelle in früheren Zeiten einen Friedhof gegeben habe. Deswegen sei zu vermuten, dass es sich bei den Funden um Skelettteile aus einer alten Begräbnisstätte handelt.